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11.07.2017 - Der FreischĂĽtz - fĂĽr die ganze Familie

Musikschule priMus Zeuthen präsentiert weltbekannte Oper "Der Freischütz"

Was ist nur hier los? Der beste Schütze, Max, trifft auf einmal nicht mehr. Wird er die Agathe heiraten dürfen? Aber will sie das überhaupt? Zum Glück ist da der seltsame Kaspar, der Max helfen will, seine Braut zu heiraten und die alles entscheidende Schießaufgabe zu meistern. Doch ist da etwa Zauberei im Spiel? Nicht nur! - Eine Oper mit Kindern und Jugendlichen der Musikschule priMus Zeuthen für Opern-Erstlinge und -Liebhaber.

Sonntag, 16.07.2017, Klubhaus
Preis: 12,50 €, ermäßigt 7,00 €

Karten gibt es im Bürgerservice oder auf Reservix http://bit.ly/2sKn2hF zu kaufen.

Als Nationaloper berühmt erzählt „Der Freischütz“ eine Geschichte über Liebe, Verrat und Verlust, in einer Welt, die es nicht mehr gibt. Nur die Tugenden und Rituale halten die löchrig gewordene Welt zusammen. Doch bei aller Anstrengung wirken die überwundene Katastrophe und die daraus resultierenden Entbehrungen so stark in den Figuren, dass sie sich gegenseitig überlisten, ihre eigenes Leid den anderen überhelfen und sich schwer tun, die neue Welt zu akzeptieren. Eine immer noch brandaktuelle Geschichte, die bis in unsere Gegenwart wirkt und vor Augen führt, welche Konsequenz die Verrohung und das Wegsehen haben.

Die Musikschule priMus Zeuthen gibt es seit 15 Jahren und fast genau so lange widmet sie sich regelmäßig dem Musiktheater. Von "Die Vogelhochzeit" über "Tuishi Pamoja" und „Der Traumzauberbaum“ bis zu „Hänsel und Gretel“ reichte das Spektrum der Projekte in diesem Bereich. Nach dem erfolgreichen Opernprojekt „Die Zauberflöte“ im Jahr 2014 etablierte sich ein ständiger Musiktheater-Kurs, der einige kleinere Musiktheater-Stücke erarbeitete und zuletzt 2016 eine Mini-Oper für Kinder uraufführte. Nun wird die Oper „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber aufgeführt. Es singen und spielen Schüler der Musikschule und weitere Kinder und Jugendliche. Einzig die Rolle des Eremiten ist mit einem ‚Kind‘ jenseits der 70 besetzt. Es wurde ein Projekt-Orchester aus Schülern und Freunden der Musikschule priMus gebildet, das die Oper zu großen Teilen begleitet. Außerdem wurde ein Projekt-Chor aus Schülern gegründet, der neben den anderen Darstellern auf der Bühne singt und spielt.

Da die Oper im Original gespielt ca. drei Stunden dauert, wurde für die Musikschule ein neues Libretto geschrieben. Dieses Libretto reduziert die Spielzeit auf ca. 90 Minuten, die wesentliche Handlung der Oper bleibt dabei erhalten. Es richtet sich am Urlibretto von Friedrich Kind aus, setzt es in eine für Kinder heute verständliche Form, ohne ‚einfach‘ zu sein.

Ziel des Projektes ist es, Kinder und Jugendliche an sogenannte ‚ernste Musik‘ heranzuführen - sowohl die in die Erarbeitung einbezogenen Kinder, als auch die im Publikum. Die SängerInnen, DarstellerInnen und Orchestermitglieder beschäftigen sich bei der Erarbeitung des Stücks ernsthaft mit dieser Musik und mit dem Genre Oper. Die beteiligten Kinder und Jugendlichen sollen ihre musikalischen und darstellerischen Fähigkeiten unter professioneller Anleitung entwickeln und ausloten. Die Aufführungen richten sich sowohl an Kinder ab 10 Jahren im Publikum, als auch an deren Eltern und Großeltern. Die Inszenierung zielt bewusst darauf ab, Opern-Erstbesuchern den Zugang leicht zu machen, als auch Kennern der Oper etwas Neues daran zu zeigen.

Die Oper

„Der Freischütz“ mit der Musik von Carl Maria von Weber und dem Libretto von Friedrich Kind gilt als deutsche Nationaloper. Möglicherweise wird das so empfunden, weil hier Menschen wie du und ich im Zentrum des Geschehens stehen und nicht nur Personen aus gehobenen Kreisen. Die Geschichte handelt von Menschen, die sich in der Welt eigentlich nicht mehr zurechtfinden und nicht verstehen, was mit ihnen passiert. Der beste Schütze der Gemeinschaft trifft plötzlich nicht mehr. Kaspar ist aus dem Krieg zurückgekehrt, aber wird von der Gemeinschaft nicht als Kriegsheld gefeiert. Agathe soll heiraten, aber hat vor allem Angst und Ahnungen, dass etwas Schreckliches passiert. Die wesentlichen Bestandteile der Handlung und Konflikte sind Hierarchien, Ängste und unerfüllte Wünsche. Die deutsche Seele scheint hier sehr traurig zu sein und sucht nach ihrem Glück. Aber trotzdem steckt in Vielem ein gehöriger Schuss Heiterkeit und wir erleben den Versuch, das Leiden wegzulachen.

Carl Maria von Weber hat auf geniale Weise verstanden, mit der Stilistik der Romantik die Seelenzustände der Protagonisten in musikalische Klangbilder umzusetzen. Weber war Synästhetiker, Farben und Stimmungen assoziierte er mit Klängen. Diese Besonderheit spürt man in seiner Musik auf Schritt und Tritt - er kann die Stimmungslage von Menschen, die Widersprüche und Sehnsüchte der Menschen, aber auch Vorgänge in der Natur sehr deutlich in Musik fassen.

Das für die Musikschule priMus geschriebene Libretto

Da „Der Freischütz“ im Original gespielt ca. 3 Stunden lang ist, hat Werner Eggerath das Libretto bearbeitet und - ohne eine Vereinfachung der Oper - auf eine Länge von 90 Minuten (mit Pause zwei Stunden) gekürzt. Die Fassung der Musikschule priMus versucht dem Original so nah wie möglich zu bleiben und hat lediglich einen Kommentator hinzugefügt, der das Geschehen für die Jüngeren zusammenfasst bzw. auslegt.

Die Inszenierung

Nach einer Katastrophe, die nicht klarer benannt wird, versucht die Gemeinschaft aus Jägern, alle Schrecken hinter sich zu lassen, ohne sich damit auseinanderzusetzen. Doch was ist die Welt, wenn es sie in der bekannten Weise nicht mehr gibt? Alles ist nur ein Provisorium aus den Trümmern der Katastrophe. Allein die Tradition scheint die Wirren überstanden zu haben. Was ist eine Tradition wert? Die Welt hat sich verändert, die Traditionen hingegen nicht. So scheitern nach und nach die letzten Fragmente der Welt, wie sie einmal war. Auch die Tradition muss sich erneuern. Das Bühnenbild der britischen Theatermacherin Pip Hill besteht aus zwei Verschlägen. Es zeigt, dass auch eine ‚Bretterbude‘ zum Zuhause werden kann. Die Agathe auf ihrem Turm hat es sich hübsch eingerichtet, Kaspar hat sich eine kleine Höhle der Zuflucht gebastelt.

Die musikalische Umsetzung

Die Auswahl der Musikstücke und die Besetzung des Orchesters erfolgten nach Maßgabe der Möglichkeiten und Erfordernisse unserer Musikschule. Einzelne Stücke wurden herausgelassen, andere in einer andere Tonart gebracht oder behutsam gekürzt. Den Besonderheiten eines Musikschulorchesters entsprechend wurde die Partitur neu arrangiert vom Kapellmeister und Komponisten Gunther Reinecker, der seine jahrzehntelange Erfahrung in der Arbeit mit Schülerorchestern einbrachte.

Das Freischütz-Orchester besteht aus dem Kammerorchester der Musikschule priMus Zeuthen, in dem jugendliche und erwachsene Schüler spielen. Dazu kommen Freunde der Musikschule - ambitionierte Laien und einige Berufsmusiker.

Die Tradition des Musiktheaters in Zeuthen

Schon seit den 80er Jahren gibt es in Zeuthen eine Musiktheater-Tradition, die nun die Musikschule priMus seit 15 Jahren fortführt. Die Projekte der Musikschule priMus Zeuthen begannen mit kurzen Stücken unter Mitwirkung vieler kleiner Kinder und wuchsen mit ihren Kinder-Sängern zu nunmehr Operngröße heran. Es singen und spielen zwar immer noch Kinder ab 8 Jahren mit, doch viele andere Sänger sind 12 bis 20 Jahre alt.

Das Musiktheater bringt viele Kunstformen zueinander - das instrumentale Spiel, den Gesang und das darstellende Spiel. Das Erlernen eines Instruments findet meist ‚hinter verschlossenen Türen‘ für sich allein statt. Im Musiktheater muss man nun nicht nur auf die anderen Stimmen im Orchester hören, sondern auch auf Sänger und Abläufe auf der Bühne achten. Die Sänger müssen sich ihrerseits auf das Orchester einstellen und gleichzeitig noch alle Vorgänge auf der Bühne sowie die Darstellung der eigenen Rolle berücksichtigen. Alles hängt miteinander zusammen und in dieser Komplexität lernen alle Beteiligten viel hinzu.

Das Besondere am Musiktheater der Musikschule priMus ist, dass eben keine Opernsänger auf der Bühne stehen, sondern Kinder und Jugendliche. Mit ihrem unverstellten Gesang und Spiel entstauben sie die Welt der Oper und wachsen durch die professionelle Anleitung im Gesangsunterricht, der Sprecherziehung und der Probenarbeit in den Aufführungen über sich hinaus.




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